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So eindrücklich, bewegend und zugleich stimmungsvoll war noch nie ein Weltgebetstag der Frauen in Xanten“. Dieses außergewöhnliche Fazit am Ende des diesjährigen Weltgebetstags (WGT) der Frauen zog Angela van Bebber vom Xantener Organisationsteam. Im Focus des diesjährigen WGT stand das Land Nigeria, und hier besonders die schwierige Situation der Frauen.
Den Auftakt machte ein ökumenischer Gottesdienst im Dom. Nigerianische Texte und Gebete, dazu afrikanische Lieder, instrumental begleitet von einer mehrköpfigen Musikgruppe, boten eine gelungene Einstimmung auf das westafrikanische Land. Durch die aktuelle Ausstellung der Wal-Skulptur mitten im Xantener Dom, erhielt der Gottesdienst zudem eine besondere spirituelle Atmosphäre.
Zum anschließenden Kaffee in der nahegelegenen Mensa der Marienschule hatte Angela van Bebber, die Leiterin des Xantener WGT-Teams, Klaus Wolfertz vom Freundeskreis Nigeria eingeladen. Basierend auf einer langjährigen engen Freundschaft der Eheleute Ulla und Klaus Wolfertz zum nigerianischen Theologen Mike Chukwuma, leistet der Freundeskreis seit über 40 Jahren mit zahlreichen Projekten Unterstützung vor allem in ländlichen Gebieten im Süden Nigerias.
Über 80 Anwesende erfuhren von Klaus Wolfertz in einem lebendigen, mit vielen persönlichen Fotos und Anekdoten bereicherten Vortrag, Nachdenkliches und Überraschendes über das mit etwa 230 Millionen Bewohnern bevölkerungsreichste Land Afrikas („Etwa jeder sechste Afrikaner ist Nigerianer“). Auch wirtschaftliche und demografische Entwicklung („das Durchschnittsalter liegt in Deutschland bei ca. 47 Jahren, in Nigeria bei etwa 19 Jahren“), die gewaltigen gesellschaftspolitischen Probleme (massive Armut trotz enormer Ressourcen), Kriminalität, ethnologische Konflikte, und vor allem die unglaubliche Korruption, konnte er mit zahlreichen Beispielen, z.T. aus persönlicher Erfahrung, darstellen.
Schwerpunkt seines Berichtes waren die gewaltigen alltäglichen Belastungen der Dorfbewohnerinnen in den vernachlässigten ländlichen Regionen im Süden Nigerias. So leisten die Frauen etwa 60-80% der schweren gesamten landwirtschaftlichen Arbeiten in Nigeria, während patriarchalische Traditionen die Anerkennung der Frauen als tragende Fundamente für die Familien und Gesellschaft, verhindern.
Exakt hier, so Wolfertz, helfen die Xantener aktuell in einem gerade vor wenigen Tagen im Februar gestarteten Projekt mit der Ausgabe von Mikrokrediten an Dorfbäuerinnen. Über die von Mike Chukwuma gegründete Dorfentwicklungsgruppe DPC als zuverlässigen Projektpartner in Nigeria, erhalten die Frauen ein kleines Startkapital von etwa 50 € um eine eigene Existenz aufzubauen, z.B. eine Hühnerfarm, oder einen kleinen Marktstand. 600 Frauen in 22 Dörfern können so in diesem Jahr noch vor Ostern eine wirtschaftliche Existenz für sich und ihre Familien aufbauen. 9.000 € konnte der Freundeskreis hierfür aus Privatspenden aus Xanten und Umgebung einsammeln. Vervierfacht werden die Xantener Spenden von der Schmitz-Stiftung, die vor wenigen Tagen erst dem Freundeskreis einen Zuwendungsbescheid über 27.000 € aus Bundesmitteln zuschickte.
Für die WGT-Teilnehmenden hatte der Nachmittagskaffee bereits mit einer großen Überraschung begonnen: Da Mike Chukwuma gerade in diesen Tagen in seiner Heimatregion auf Projekt-Inspektionsreise ist, und zufällig genau am Weltgebetstag ein Treffen von Dorffrauengruppen stattfand, wurde kurzerhand eine Live-Video-Schaltung von der Marienschule nach Afrika verabredet. Diese wurde trotz technischer Probleme zu einem besonderen Erlebnis. Die sichtbare und spürbare Begeisterung der dankbaren, tanzenden Dorffrauen in Nigeria übertrug sich auch auf die XantenerInnen, die die afrikanischen Stimmung mit lautem, rhythmischen Klatschen aufnahmen.
Besonders große Aufmerksamkeit erhielten gegen Ende des kurzweiligen Nachmittags Juna, Noa, Tilda, Malena und Marie. Die Mädchen aus der fünften bzw. neunten Jahrgangsstufe engagieren sich in der Fairtrade-AG des Stiftsgymnasiums intensiv für den Fairen Handel, und verkaufen u.a. in den Pausen Fairtrade-Produkte. Seit dem Besuch von Mike Chukwuma vor einigen Jahren an der Schule entstand der Wunsch, die erzielten Erlöse ganz konkret gleichaltrigen Schulkindern an einer nigerianischen Schule zu Gute kommen zu lassen. So konnte bereits ein Volleyballfeld für Mädchen errichtet werden, und zuletzt Nähmaschinen beschafft werden, die mechanisch betrieben werden, und als spätere Existenzgrundlage dienen können. Eindrucksvoll schilderten die Mädchen die Bewegründe für ihr Engagement, das von den Anwesenden mit großem spontanen Applaus gewürdigt wurde. Die Mädchen um ihre Lehrerin Konny van Stephaudt erhielten aber nicht nur Applaus. Als sie erwähnten, dass für die aktuell geplante Finanzierung einer Ledernähmaschine noch 25€ fehlten, ging spontan eine Sammelbüchse herum. Das unerwartete Ergebnis: 406,35 €.
Ein interessanter, informativer und auch überraschender Weltgebetstag ging für viele mit nachdenklichen, aber nicht nur für die Schulkinder auch optimistischen Gedanken zu Ende: Man kann doch auch selbst etwas bewirken!